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Haus aus gesunden Baustoffen (Fränkischer Tag)

AUSZEICHNUNG Gisela Raab ist mit dem Ingenieurpreis geehrt worden. Ihr prämiertes Mehrfamilienhaus ist das erste in Bayern, das Wohngesundheit garantiert. Die Bewohner mit Allergien sind ausgesprochen zufrieden.

München/Ebensfeld - Bauingenieurin Gisela Raab hat den dritten Preis der Ingenieurkammer Bayern gewonnen. Er wurde gestern Vormittag in München verliehen. "Ingenieure gestalten die Zukunft" war das Motto 2013. Kammerpräsident Heinrich Schroeter erklärt dazu: "Mit dem Ingenieurpreis 2013 würdigt die Kammer innovative technische Ingenieurleistungen. Diese vereinen Funktionalität Wirtschaftlichkeit und Innovation bei der Planung, Errichtung und Nutzung. Durch den Preis machen wir das kreative Potential der bayerischen Ingenieure im Bauwesen für die Öffentlichkeit sichtbar." Bei der Beurteilung der eingereichten Objekte standen für die Jury die Originalität und die Kreativität, Innovationskraft sowie die Nutzung neuer Technologien im Mittelpunk.

Kaum Chemikalien im Haus

Gisela Raab hat ein Mehrfamilienhaus für Allergiker geplant und gebaut. "Wir haben versucht, so wenig Chemikalien wie möglich zu verwenden und das auch notariell beglaubigen lassen", sagt sie. Konkret bedeutet dies, dass Raab auf Bauschäume verzichtet hat, wie viele Handwerker sie gerne einsetzen. "Das war absolut verboten", sagt sie. Auch Klebstoffe für Böden oder Fließen mussten zuvor getestet werden. Einzig in Feuchträumen musste Raab Kompromisse eingehen. "Bei Fugenmitteln geht es nicht ganz ohne Silikon. Immer wenn Wasser ins Spiel kommt, sind auf Bauseite Weichmacher dabei."

Damit der Plan auch Wirklichkeit werden konnte, wurden alle 100 Handwerker, die aus dem Landkreis Lichtenfels kamen, von ihr und dem das Projekt begleitende Institut in der Moll-Halle in Bad Staffelstein geschult.

"Für mich ist dieser Preis von ganz großem Wert", sagt Raab. Schließlich sei die Ingenieurkammer voll mit "reinen Technikmenschen." Und vor Ort werde sie gerne in die Öko-Ecke geschoben, als eine, die etwas "für Psycho-Spinner wie Allergiker" macht. "Ich habe mir an gehört, welche Nöte die Menschen wirklich haben", sagt Raab. Im Erdgeschoss wohnt nun eine Frau, die an multipler Chemikalienunverträglichkeit (MCS) leide. "Außerdem ist sie noch sehr elektrosensibel - das war schon eine Herausforderung", sagt Raab. Sie schirmte also alle Elektroleitungen und Steckdosen ab, das Dach wurde ebenfalls gegen Elektrostrahlen abgeschirmt. "Die Leute haben dann gleich gesagt, das ist ein Haus, in dem man nicht Fernsehen kann. Oder: Ich brauch doch keine staubfreie Wohnung, so eine Spinnerin." - Ganz anders ist die Reaktion der durch die Allergie geplagten Bewohnerin. "Sagen Sie, es geht mir gut und immer besser. Mein gesundheitlicher Zustand wir immer stabiler", zitiert Raab die zufriedene Kundin.

Für Landrat Christian Meißner (CSU) passt ein solches Bauvorhaben perfekt zur Gesundheitsregion. Bei der Preisverleihung betonte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) für alle Preisträger: "Mit unseren Bau- und Infrastrukturprojekten stellen wir heute die Weichen für morgen. Energieeffizientes und ressourcenschonendes Planen und Bauen, die Nachhaltigkeit beim Bau und Betrieb von Straßen und Gebäuden und die demographischen Veränderungen zählen zu unseren wichtigsten Handlungsfeldern."

Dieser allgemeine Ansatz, verbunden mit dem konkreten Projekt von Gisela Raab, scheint attraktiv zu sein. "Wir haben schon vor der Preisverleihung Anfragen aus ganz Deutschland bekommen", saget Raab. Wenn der richtige Bauplatz und die entsprechende Nachfrage da sei, gebe es auch weitere wohngesunde Mehrfamilienhäuser.

Das Pilotprojekt, das auf Raabs Ideen basierte und auf ihr eigenes Risiko entstand, ist drei Jahre nach Baubeginn zum Erfolg geworden.

"Beispielhaft hat die Ingenieurin es verstanden, alle Bau Beteiligten zusammenzubringen und so ein nachhaltiges gesundes Konzept entwickelt und umgesetzt", schreibt die Jury daher über das prämierte Haus. Der dritte Preis ist mit 2000 Euro dotiert.

Quelle: Fränkischer Tag 19./20.01.2013 Tim Birkner

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