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Der geprüfte Polier - Top-Manager auf der Baustelle

Karriere machen als Geprüfter Polier

"Es gibt Zeiten, da sind Handy und Notebook meine wichtigsten Arbeitswerkzeuge." Dirk Schöllkopf hat eigentlich keinen Bürojob. Dennoch verbringt er, wenn seine Bauprojekte auf Hochtouren laufen, gut die Hälfte seiner Arbeitszeit im Baucontainer. 6 x 2,50 Meter misst sein Büro am Rande der Baustelle. Hier ist quasi die Schaltzentrale, von der aus der 35-jährige Baustellenchef sämtliche Bauabläufe koordiniert. Hier prüft er auf seinem Laptop die digitalen Baupläne, bestellt die notwendigen Baumaterialen für die kommenden Tage und vereinbart Termine mit Kunden, Lieferanten, Bauherren und Architekten.

"Ohne ein durchdachtes Baustellenmanagement würde da draußen totales Chaos herrschen", erklärt der Geprüfte Polier und lässt seinen Blick über die halbfertige Baustelle schweifen. Exaktes Timing ist das A und O. Daher müssen alle Bauphasen vorher sorgfältig geplant werden, damit es später möglichst reibungslos läuft. Grundlage dafür ist der sogenannte Bauzeitenplan, der die genaue zeitliche Abfolge der einzelnen Arbeitsschritte vorgibt. "Frischbeton zum Beispiel darf erst angeliefert werden, wenn die entsprechenden Schaltungen betonierfertig sind. Und falls die bestellten Mauersteine zwei Tage zu spät eintreffen, kann eben nicht weitergearbeitet werden. Das alles zu steuern, ist schon eine große Herausforderung."

Dirk Schöllkopf hat deshalb schon manch stressigen Moment erlebt. Als Polier trägt er schließlich Verantwortung für den Bauprozess und die fristgerechte Fertigstellung der Projekte.
Da heißt es kühlen Kopf bewahren. Aber gemeinsam mit seinen Mitarbeitern hat er bislang noch jedes Problem gemeistert. Je nach Bauvorhaben umfasst sein Team 10 bis 20 Baufachleute. Jeden Morgen teilt er die Arbeiten und das Personal für die jeweiligen Gewerke ein, plant den Maschineneinsatz, überwacht die einzelnen Baufortschritte und übernimmt die Kosten- und Qualitätskontrolle. Auch für die Koordination der Nachunternehmerkolonnen, wie zum Beispiel Dachdecker, Zimmerer oder Installateure, ist der 35-Jährige zuständig. im Moment erstellen er und sein Team den Rohbau für ein Industrieunternehmen. Dort, wo jetzt noch Stahlträger und halbfertige Betonwände zu sehen sind, sollen schon in wenigen Monaten zahlreiche Menschen arbeiten. Zurzeit läuft alles nach Plan und Dirk achtet darauf, dass die engen Fristen auch eingehalten werden.

Die notwendige Ruhe und Erfahrung für seine Tätigkeit bringt er auf jeden Fall mit. Seit fast zwanzig Jahren ist er nun schon im gleichen Bauunternehmen beschäftigt. 40 Mitrarbeiter zählt der mittelständische Familienbetrieb in Reutlingen. Hier hat Dirk Schöllkopf nach der Mittleren Reife seine Ausbildung als Maurer absolviert, das Bauhandwerk sozusagen von der Pike auf gelernt. Eine gute Voraussetzung, um später erfolgreich als Polier zu arbeiten. Zwar muss man in diesem  Job nicht mehr selbst auf der Baustelle mitarbeiten, aber man sollte schon wissen, wie die einzelnen Gewerke funktionieren: "Wenn vor Ort plötzlich Probleme auftauchen, erwarten meine Leute schließlich von mir schnelle und praktische Handlungsanweisungen. Und auch bei der Ausbildung unserer Lehrlinge ist es ganz hilfreich, wenn ich den Azubis zeigen kann wie man eine Mauer richtig hochzieht."

Dass er selbst einmal in solch verantwortungsvoller Position in seiner Baufirma tätig sein würde, hat der 35-Jährige nicht unbedingt geplant. Vor acht Jahren wurde er von seinem Chef gefragt, ob er nicht einen Kurs als Werkpolier machen möchte. Immerhin der erste Schritt auf der Karriereleiter nach oben, denn als Werkpolier darf man eigenständig eine Arbeitskolonne führen. Die Weiterqualifizierung zum Geprüften Polier im Frühjahr 2011 war für ihn nur folgerichtig. Sechs Wochen lang musste Dirk im Ausbildungszentrum Bau Sigmaringen wieder die Schulbank drücken. Auf dem Stundenplan standen unter anderem Fächer wie Bauvertragsrecht, Umweltschutz, Arbeitsschutzvorschriften, Grundlagen für rechtsbewusstes Handeln, kalkulatorische Themen sowie Mitarbeiterführung und Arbeitspädagogik. Für Dirk Schöllkopf alles kein Problem. Seinen Geprüften Polier absolvierte er mit einem Notenschnitt von 1,3 und wurde damit Jahrgangsbester.

Nun betreut er eigenverantwortlich verschiedenste Bauprojekte für das Bauunternehmen,  in der er arbeitet. Mal werden Wohnhäuser erstellt, dann wieder entsteht ein moderner Gewerbepark oder auch eine neue Schule. Die meisten Baustellen befinden sich in der Nähe seines Wohnorts. Dirk kann also in der Regel abends bei seiner Familie sein. Er schätzt seine vielfältige Tätigkeit, vor allem aber den engen Kontakt zu Kunden und Mitarbeitern: "Ich könnte mir keinen schöneren Job vorstellen als diesen. Es ist spannend, abwechslungsreich und man arbeitet immer im Team. Denn nur durch die gemeinsame Leistung aller kann auf dem Bau letztlich Großes entstehen."

Ein Geprüfter Polier trägt viel Verantwortung. Entsprechend gut wird er entlohnt. Je nach Berufserfahrung verdient er laut Tarif zwischen 3800,- und 4200,- Euro. Weitere Infos zur Ausbildung auf dem Bau gibt es bei der Bauwirtschaft Baden-Württemberg e. V., Tel. (0711) 6 48 53-0 oder unter www.bauwirtschaft-bw.de

Quelle: Allgemeine Bauzeitung 13.04.2012

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